Zertifizierung der ehrenamtlichen Hospizhelferinnen
Neuer Ausbildungslehrgang ist fit für die Praxis.



Von Ernst Buchholz

Sterben ist in unserer Gesellschaft eher ein Tabuthema, obwohl die Nachfrage nach Sterbegleitung immer häufiger wird. Das hängt mit der Verschiebung der Alterspyramide zusammen, aber auch mit der Auflösung der Familien. Deswegen bildet die Ökumenische Hospizbewegung Offenbach Freiwillige aus, die als Hospizhelfer arbeiten wollen. Diese schwere Aufgabe bedarf einer intensiven Vorbereitung. Neun Monate hatten die Kursteilnehmer zusammen gelernt, geübt und meditiert, 62 Gesamtstunden im Grundkurs und 60 Stunden im Aufbaukurs. Hinzu kamen die Praktika bei der Evangelischen Krankenhausseelsorge im Klinikum Offenbach, in einem Alten- und Pflegeheim, in einer ambulanten Einrichtung für häusliche Krankenpflege, Diakoniestation Offenbach und im Ketteler-Krankenhaus. Man merkte es den Teilnehmern an, dass sie in dem dreiviertel Jahr Training zu einer Gruppe zusammen gewachsen waren. „Die meisten von uns haben sich schon vorher mit dem Tod beschäftigt. Ich halte die Sterbebegleitung für eine sinnvolle Aufgabe“, sagte Dr. Johannes Drescher. So geht es den meisten der Teilnehmer aus unterschiedlichen Berufen und in unterschiedlichen Altersstufen.

Das Ausbildungsprogramm ist ein Intensivkurs zur Erfassung der Bedürfnisse von Sterbenden, aber auch zur Stärkung der eigenen Persönlichkeit. Im Grundkurs stehen Themen wie „Sterben als Teil des eigenen Lebens“, „Vom Umgang mit Schmerzen“, „Gesprächsführung“ auf dem Plan. Im Aufbaukurs geht es dann um juristische Fragestellungen, um den „Umgang mit Trauer“, um die „Sprache Sterbender“ und die „Differenzierung Sterbehilfe/ Sterbebegleitung.“ Das ist nur ein Ausschnitt aus den zahlreichen Unterrichtseinheiten. „Die Ausbildung soll helfen, die Balance zu finden zwischen der persönlichen Motivation und der Belastbarkeit“ erklärt Sybille Busch, eine Teilnehmerin aus einem der früheren Kurse.

Ihr Zertifikat zum Abschluss des Kurses konnten Dr. Björn-R. Beckmann, Patrizia Blazevic, Christine Bleibdrey, Ingrid Drescher. Dr. Johannes Drescher, Silvia Hahner-Gegenwart, Nicole Müller, Sissi Franziska Rosenau, Brigitte Rost, Gudrun Steinhauser und Gertrud Zieringer entgegen nehmen. Zwei der neuen Helferinnen werden sich in Mühlheim engagieren, die übrigen werden mit den Ausbilderinnen Christine Bernhard und Gabriele Trüby die weitere Zusammenarbeit klären.

Derzeit engagieren sich 17 Frauen und drei Männer in der ambulanten Hospizarbeit.

Offenbach Post vom 3.  Juli 2010